Freitag

„Was habe ich dir getan?“ - Der Mann mir der Pistole

Er fuchtelte mit der Pistole „Was willst du von mir?“
Am 6. Mai 2001 traf ich im Zug zwischen Hamburg und Essen einen jungen Mann, etwa Mitte 20, einen Russen. Wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte ihm von der Gütekraft, auch einige Beispiele gütekräftigen Verhaltens. Daraufhin erzählte er mir das folgende Erlebnis. Er schrieb es auf meine Bitte hin auf Russisch auf und wir übersetzten es gemeinsam. Er nannte mir seinen Namen, will diesen aber nicht erwähnt wissen.

„Ich war mit einem Freund in einer Kneipe. Es war mein erster Barbesuch in Deutschland. Wir hatten nicht vor, lange zu bleiben. Wir hatten nichts zu tun.
Wir gingen in die Bar. Sahen einige Leute, die da saßen und tranken. Manche von ihnen unterhielten sich mit dem Barkeeper, der auch aktiv mittrank. Ich weiß nicht, wie viel der Barkeeper getrunken hatte, bevor wir kamen, aber mit uns zusammen trank er sehr viel.
Zugleich machte dieser Mann eine Show hinter der Bar. Er zerbrach Gläser und ging barfuß über die Scherben. Natürlich verletzte er sich. Als wir schon fast Freunde waren, zog er eine Pistole und richtete sie gegen mich, vor meine Stirn. Ehrlich gesagt, dachte ich in diesem Moment nicht, dass die Pistole echt wäre. Für mich war einfach spannend, was er von mir wollte.
Nun begann dieser Barkeeper, mir von seinem Leben zu klagen und er beschuldigte mich, dass „meine Organisation“ ihn verfolge. Er erzählte so sicher, wie er für nichts und wieder nichts in Polen verwundet worden war. Und sagte, dass er mit dem Zweiten Weltkrieg nichts zu tun hätte, dass er sich nicht schuldig fühlen könne für das, was seine Eltern getan haben. Jede dieser Tiraden beendete er mit zwei Fragen: „Was habe ich dir getan?“ und „Was willst du von mir?“ Und dabei fuchtelte er mit der Pistole herum. Auf beide Fragen antwortete ich natürlich: „Nichts.“
Schließlich blieb mir nichts anderes übrig als ihn völlig betrunken zu machen, bis er in der Verfassung war: „Du bist mein bester Freund!“ Er gab mir die Pistole. Sie war echt. Ich brachte sie in Sicherheit. Später kam die Polizei, weil sich Menschen beschwert hatten, dass es zu laut wäre. Dann verließ ich mit meinem Freund schleunigst das Lokal.“

Martin Arnold

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