Samstag

Der offene Schnürsenkel

Mein Schnürsenkel war offen. Ich bemerkte es nicht gleich. Doch als ich fast darüber gestolpert wäre, hielt ich an. Da stand gerade ein geparktes Auto vor mir auf dem Gehsteig, und ich nutzte dessen Stoßstange, um meinen Fuß entsprechend etwas höher zu stellen und zu binden.
Doch etwas hatte ich nicht gesehen: in dem Auto saß noch der Fahrer. Dieser kam sofort heraus, wutschnaubend und schimpfend, und drängte mich förmlich ab und in die Ecke. Er war nahe daran, handgreiflich zu werden. Ich meinerseits war von seinem Wutausbruch fast wie gelähmt, ja ohnmächtig; ich blieb zunächst nur einfach gerade stehen. Wie es so meine Art ist, wurde ich auch hier zuerst mal immer ruhiger, je mehr der andere ausbrach. Und im weiteren konnte er auch schon nicht mehr viel machen, da nun gleich einige Leute dazukamen und uns beobachteten. So ließ er wieder ab von mir.

Im Weitergehen dachte ich jedoch bei mir: etwas unbefriedigend, dieses Ende. Mehr Vorbereitung auf soetwas wäre vielleicht besser gewesen. Denn für ein nächstes Mal hat der doch noch nichts gelernt. Immerhin ist es glimpflich ausgegangen - einfach dadurch, daß ich ruhig geblieben bin.


(Quelle: Bernd Ebding, Neuershausen)

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